Die Ernährung von älteren Hunden

Der Anteil älterer Hunde nimmt stetig zu, weshalb die Vereinigung der Europäischen Tiernahrungsindustrie eine Zusammenfassung der Ernährungsbesonderheiten älterer Tiere veröffentlicht hat. Diese Zusammenfassung möchten wir in übersetzter Form wiedergeben. Zu beachten ist, dass die Ausführungen nicht für solche älteren Hunde gelten, die typische „Alterskrankheiten“ haben. Am Ende wird kurz zusammengefasst, was bei der Fütterung von Senioren zu beachten ist.

Alterungsprozess

Die Lebenserwartung von kleineren Rassen ist höher als die von größeren Rassen, was vor allem für Rassen gilt, die im ausgewachsenen Alter ein Gewicht von über 50 Kilogramm aufweisen. Man kann nicht genau bestimmen, wann ein Tier in das Seniorenalter eintritt, da es individuelle Unterschiede gibt und deshalb das biologische Alter vom chronologischen Alter abweichen kann. Bei größeren Rassen beginnt die Seniorenphase früher als bei kleineren Rassen mit dem gleichem chronologischem Alter. Gewöhnlich erreichen größere Rassen das Seniorenalter mit 5–8 Jahren, kleinrassige Hunde im Alter von ca. 10 Jahren. In diesem Zusammenhang ist es wichtig zu erwähnen, dass es große Unterschiede zwischen den einzelnen Züchtungen gibt, was auf einen starken genetischen Einfluss auf die Entwicklung bestimmter Krankheiten hindeutet.

Das Erreichen des Seniorenalters zeichnet sich durch eine verminderte Anpassungs- und Ausgleichsfähigkeit gegen externe und interne Stressfaktoren aus, was mit einer höheren Krankheitsanfälligkeit einhergeht. Die Körperfunktionen verfallen, und das Gleichgewicht der Körperfunktionen ist wegen vorgegebener Geninformationen und kumulierter Umweltschäden aus dem Lot geraten, weil der Körper nicht mehr die Fähigkeit hat, diese Schäden zu reparieren. Einher geht dieser Zustand mit fortschreitenden Schäden in den Zell-Organellen, einer Anhäufung von Abfallsubstanzen im Körper, einer beeinträchtigten Immunabwehr und einer vermuteten (aber nicht bewiesenen) höheren Aussetzung des Körpers gegenüber freien Radikalen (oxidativer Stress). Veränderungen des Körpers oder der Laborwerte treten häufig bei älteren Hunden auf und sollten als Hinweise verstanden werden, vom Tierarzt regelmäßig einen „Check-up“ durchführen zu lassen.

Häufige Alterskrankheiten

Die Hauptprobleme bei Senioren sind folgende: altersbedingte Veränderungen der kognitiven Funktionen, Hautkrankheiten, Verdauungsschwächen sowie Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems, des Urogenitalbereichs, der Atmungswege oder der Gelenke. Weiters sind endokrine Störungen (wegen hormoneller Ungleichgewichte) möglich. Alle diese Krankheiten können einen Einfluss auf die Ernährung von Senioren haben, weil sich durch sie der Bedarf an Energie und Nährstoffen verändert. Gelenkserkrankungen beispielsweise können die Aktivität des Hundes einschränken, wodurch der Energiebedarf sinkt. Sollten spezielle Funktionsstörungen vorliegen, sollte auf jeden Fall tierärztliche Beratung in Anspruch genommen und die Ernährung an die speziellen Bedürfnisse angepasst werden.

Veränderung im Verdauungstrakt

Veränderungen im Verdauungsbereich, insbesondere Zahnverlust und Zahnwurzelhautentzündungen (Parodontitis), können die Futteraufnahme behindern. Bei sehr alten Hunden können auch der Geschmackssinn und/oder der Geruchssinn abnehmen, sodass man ihnen ein Futter mit einem sehr intensiven Geschmack zur Verfügung stellen sollte, damit sie ausreichend Energie und Nährstoffe aufnehmen können. Auch die Textur des Produktes (Nassfutter/Trockenfutter) kann wichtig sein, um das Tier zur ausreichender Futtereinnahme anzuregen.

Der öfters vermutete generelle Rückgang der Verdauungsfähigkeiten (z. B. schlechtere Fettverwertung wie bei Katzen) scheint bei Hunden nicht vorzukommen. Es sind zwar Veränderungen der Darmflora zu beobachten (weniger Laktobazillen und mehr Clostridien), doch müssen die Auswirkungen dieser Veränderungen noch genauer erforscht werden.

Veränderungen der Verstoffwechselung

Einschränkungen in der vollen Funktionalität der Organe (z. B. Herz, Niere), eine geringere körperliche Aktivität, ein höherer oder niedrigerer Körperfettanteil, ein geringerer Muskelmasseanteil oder endokrine Veränderungen beeinflussen den gesamten Organismus. In der Regel geht ein höheres Alter mit reduziertem Energiebedarf einher, der Energiebedarf kann sich aber auch durch hormonelle Störungen (z. B. unkontrollierte Diabetes mellitus) erhöhen.

Nicht nur die korrekte Anpassung der Futtermenge im hohen Alter, sondern auch die lebenslange restriktive Fütterung haben einen positiven Effekt auf die Lebenserwartung, das Auftreten von Gesundheitsproblemen und die altersbedingten Veränderungen der Verstoffwechselung. Eine Studie mit Labrador-Retrievern ergab, dass eine 25%ige Einschränkung der Futteraufnahme die durchschnittliche Lebenserwartung erhöht und das Auftreten von chronischen Erkrankungen zeitlich aufgeschoben hat. Ein weiterer Vorteil der zurückhaltenden Fütterung ist eine niedrigere Tendenz zur Arthrose. Ein optimaler körperlicher Zustand (schlank, ideales Körpergewicht) scheint nach den bisherigen Erkenntnissen ein wesentlicher Faktor zu sein, der das gesunde Altern unterstützt.

Ernährungsempfehlungen für Senioren

Es gibt derzeit keine wissenschaftlichen Daten für den Energie- und Nährstoffbedarf von älteren Tieren. Es werden folgende Grundsätze empfohlen:

  • Energie: Die Futtermenge sollte so angepasst werden, dass der optimale Köperzustand erreicht wird. Dies kann anhand einer Skala von optischen und ertastbaren Merkmalen kontrolliert werden.
  • Proteine: Der Gehalt an Proteinen soll den Empfehlungen für ausgewachsene Hunde entsprechen und dem Risiko vorbeugen, Muskelmasse zu verlieren. Wenn die Futteraufnahme sinkt, sollte deshalb der Protein-Anteil erhöht werden (ausgenommen sind spezielle Krankheiten, die eine Anpassung der Proteinzufuhr erfordern).
  • Ballaststoffe: Das Futter sollte ausreichend Ballaststoffe enthalten, um die Peristaltik anzutreiben. Sowohl verdauliche als auch unverdauliche Fasern haben einen positiven Effekt auf die Gesundheit der Organe und die Darmflora.
  • Fett und Mineralien: Hier gibt es keine speziellen Erfahrungswerte.
  • Spurenelemente: Zink, Selen und Iod sind sehr wichtig für das Immunsystem, den Muskelaufbau und die antioxidative Verteidigung. Die Zink-Aufnahme könnte daher leicht (innerhalb des normalen Rahmens) erhöht werden.
  • Die Vitaminzugabe kann erhöht werden, wenn eine geringere Aufnahme der Nährstoffe erwartet wird.
  • Die Verfütterung der Tagesmenge sollte in 2–3 Rationen pro Tag aufgeteilt werden. Und natürlich sollte – wie das für alle Hunde gilt – dem Tier stets frisches Wasser zur Verfügung stehen.

Zusammenfassung

Wie Studien belegt haben, bringt das Halten des Idealgewichtes den Hunden im höheren Alter viele Vorteile: eine höhere Lebenserwartung, weniger Gelenksprobleme und ein späteres Auftreten chronischer Erkrankungen. Es kann daher nur eindringlich empfohlen werden, bei der Fütterung von Leckerlis vorsichtig vorzugehen und auf eine Futtermenge zu achten, die dem Hund das Erreichen und Halten seines Idealgewichtes ermöglicht.

Das Idealgewicht kann man am besten anhand einer Skala  kontrollieren.

Solange der ältere Hund keine Krankheiten hat, aus der sich spezielle Nährwertvorgaben ergeben, sind kaum Änderungen in der Fütterung notwendig. Sollte sich das Tier weniger bewegen, so ist die Futtermenge zu reduzieren, damit es weiterhin sein Idealgewicht halten kann. Weiterhin sollte eine Fleischnahrung mit vielen Proteinen verfüttert werden, um den Muskelerhalt zu gewährleisten.

Sobald die Verdauung schwächer wird, empfiehlt sich eine vorsichtige Beigabe von Vitaminen (Anifit Bierhefe oder Amovit Hund), damit im Ergebnis immer noch ausreichend Nährstoffe im Körper verwertet werden.

Die Fütterung sollten in 2-3 Rationen pro Tag erfolgen.

 

Gepostet am 27.02.2019
Tags: Ernährung, Senioren, alter Hund, Alter

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